Rudolf von Laun
(1882 - 1975)
 

Der Jurist Rudolf von Laun war Professor für Staats‑ und Völkerrecht an der Universität Hamburg. Er began sein Laufbahn als Berater der österreichischen Regierung und war Mitglied der österreichischen Delegation bei der Bekräftigung des Friedensvertrages von Saint Germain 1919. Schon damals wurde er sich bewußt, dass Recht und Macht sich im Grunde gegenseitig ausschliessen. Dadurch erwachte in ihm sein Interesse an der metaphysischen Wirklichkeit des Rechts, auch wenn er sich niemals ausdrücklich als Metaphysiker verstand. Er war und blieb bis zum Schluss in seinem eigenen Beleben kritischer Kantian, weil er im Grunde keine Wahl hatte. Aber die Beschäftigung mit konstitutionellen Problemen vieler Minderheiten hat sein Empfinden für das Wesen des Rechts aussergewöhnlich beeinflusst. Er hat verstanden, dass das Recht autonom sein muss, dass es also nicht von der Macht gewährt werden kann. "Es gibt kein Recht des Wolfes, das Lam zu zerreissen," war die Zusammenfassung der kontrafaktischen Einstellung seines ganzen Wesens in Sachen 'Recht'.

Zwischen 1933 und 1945 verstand er es, sich der Einvernahme durch den Nationalsozialismus zu entziehen. Als überzeugter Sozialdemokrat wurde er außerdem beträchtlich in seinem Gehalt gekürzt. Während des Krieges hat er sich hauptsächlich mit Philosophie beschäftigt. Durch seine Standhaftigkeit wurde er nach dem Krieg von der britischen Besatzungsmacht zum ersten Rektor der neu eröffneten Hamburger Universität ernannt. Er stand in hohem Ansehen, bekam vier Festschriften, und in Hamburg ist ein Studentewohnheim nach ihm benannt. Seine Ideen fanden aber im juristischen Denken keinen Eingang, weder national noch international, weil fast überall der Rechtspositivismus die Regie übernommen hatte. Von Laun bekam von Seiten der Philosophie nicht die Rückendeckung, die er unbedingt gebraucht hätte, um seine Lehre von der Autonomie des Rechts unter den Juristen adäquat verteidigen zu können. Das Von Laun-Institut will ihm dies nun posthum gewähren.

Zurückblickend können wir sagen, dass viele Probleme von ihm klar erkannt wurden, worauf die positivistische Rechtsauffassung eine Antwort schuldig blieb. Er hat viele für die Rechtsphilosophie wegweisende Arbeiten publiziert. Das Von Laun-Institut bemüht sich, diese Publikationen zu sammeln.


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