"Nach einem lang eingeschliffenen Vorverständnis ist Metaphysik eine halb‑rationale, voraufklärerische Hintergrundstheorie der Wirklichkeit mit Übergängen zu Theologie und Mystizismus," meinte Reinhard Maurer 1987. Das heisst doch: Man weiß überhaupt nicht mehr, was Metaphysik ist. Als es Habermas gefragt wurde, sagte er (1988): "Ich nenne metaphysisch das auf Platon zurückgehende Denken eines philosophischen Idealismus, der über Plotin (.... etc.) bis zu Kant, Fichte, Schelling und Hegel reicht." Auch er weiß anscheinend nur, was Metaphysik historisch war, nicht was es jetzt noch sinnvoll ist. Heinrich Scholz meint in seiner "Metaphysik als strenge Wissenschaft", die Metaphysik sei der "Inbegriff der exakten Bemühungen um die allgemeingültigen Aussagen, also um den Bereich der möglichen Welten." Selbst die Vermutung, die Metaphysik könnte eine aktuelle Bedeutung haben, ist den heutigen philosophischen Denkern in großer Mehrheit abgegangen. Darum sagt Willi Oelmüller in dem von ihm redigierten Taschenbuch: "Metaphysik heute": "Gegen eine weitere Verwendung (des Terminus 'Metaphysik') spricht zudem, dass offensichtlich das Desiderat, dem die Metaphysik einmal entsprochen hat, von konkurrierenden Weisen der Weltdeutung und Selbstvergewisserung eingelöst scheint." Für Michel Rose ist es evident: "What one means by metaphysics, and that, as philosophers know, can be practically anything." Er nennt es ein "exceptional elusive as well as tenacious house‑guest." Für Herbert Spencer ist es ein "disease of language" und Ogden und Richards (1923) halten es für eine "orgy of verbomania," oder, wie Laserowitz sagte: "a subtle and remarkable work of verbal art." Selbst der founding father der wegen deren metaphysischen Reminiszensen oft kritisierten Frankfurter Schule, Max Horkheimer, weiß nicht, "wie weit die Metaphysiker recht haben (...) Aber ich weiß, dass die Metaphysiker gewöhnlich nur in geringem Maße von dem beeindruckt sind, was die Menschen quält." Mit solchen und ähnlichen die Metaphysik zur Vogelscheuche machenden Aussagen wäre leicht ein Buch zu füllen. Was ist denn in das Von Laun-Institut gefahren, dass es sich diesem Unfug widmen will?

Die von vielen renommierten Köpfen diagnostizierte Absurdität der Metaphysik ist aber nicht das, was sie unmöglich, sondern das, was sie gerade möglich macht. Diese Vermutung spricht auch G.E. Moore in seinen berühmten "Principia Ethica" aus, als er sagt: Metaphysisch sollte ohne weiteres definiert werden "by a reference to supersensible reality," aber, fügt er hinzu: "although I think that the only non‑natural objects, about wich it has succeeded in obtaining truth, are objects wich do not exist at all." Moore ist hier nicht weit von Platon entfernt, denn auch er lässt den sophistischen Antipoden von Sokrates' Ideenlehre in überzeugender Weise die Absurdität dieser Lehre vortragen und beweisen. Es scheint ihm viel daran gelegen zu sein, gerade diese Absurdität herauszustellen. In Platons Gorgias, zum Beispiel, hat Callicles eindeutig den gesunden Menschenverstand auf seiner Seite. Und dennoch ist Sokrates' Ideenlehre nicht nur die historische, sondern ebenso die einzig mögliche aktuelle Grundlage der Metaphysik. Platons Ideen sind nichts als das Wesen der Dinge. Dass Metaphysik dieses Wesen der Dinge etwas angeht, wird oder war wenigstens breit bekannt, wie Paul Menzel 1931 bezeugt: "Zuerst ist sicher, dass die Metaphysik nach  ihrem Grundcharakter auf die Erfassung des Wesens der Dinge gerichtet ist." Auch Horkheimer erkannte, "dass Metaphysik in irgendeiner Weise die Erkenntnis des wahren Wesens der Dinge bezeichnet."

Die Grundidee des Von Laun-Instituts ist damit schon angegeben: Es muss möglich sein, die Frage nach dem Wesen von dem, was politisch und gesellschaftlich relevant ist, in einer Weise zu stellen, die auch rein wissenschaftlich im strengen Sinne überzeugt. Dieses Wesen können wir benennen und wir können zeigen, dass, welche Demokratie auch immer, auf Dauer nicht möglich ist ohne die praktische Anerkennung der Möglichkeit dieser vernünftigen Wesenserkenntnis. Denn die philosopisch bislang gründlich ignoriete, obwohl mit der Geburt der Demokratie im alten Griechenland unlöslich verbundene, innere Beziehung zwischen Demokratie und Metaphysik ist das Herzstück der Überlegungen, durch die das Von Laun Institut die logische Unentrinnbarkeit der Verdoppelung von 'Wirklichkeit' und 'Wahrheit' philosopisch zu begründen gedenkt. Dieser merkwürdige wechselseitige Zusammenhang von Demokratie und Metaphysik wird in der Folge ausfürlich erläutert und begründet werden. Und die Verdoppelung der Wahrheit gilt uns als die Bedingung der Möglichkeit überhaupt, um im 21. Jahrhundert die Metaphysik als Wesensdenken wieder wissenschaftlich zur Geltung bringen zu können.

Auf dieser Website werden Sie informiert über die Einrichtung, über Ziele, Forschungsprojekte und Lehrtätigkeit des Instituts. Das Logogramm des Instituts ist zusammengesetzt aus den Porträts von Sokrates und Descartes, als Gründer der alten und der modernen Metaphysik.

Das Institut ehrt in seinem Name den langjährigen Professor für Staats‑ und Völkerrecht an der Universität Hamburg, Professor Dr. Rudolf von Laun, der das positivistische Rechtsdenken konsequent bestritten hat. Seine Sicht auf das Recht deckt sich genau mit dem, was im Institut unter angewanter Metaphysik verstanden wird.

Das Von Laun-Institut wurde 1995 zu Leeuwarden in den Niederlanden gegründet von Dr. J.D.J. Buve, Autor von "Macht und Sein. Metaphysik als Kritik oder die Grenzen der Skepsis." Darin begründet er die aktuelle wissenschaftliche Möglichkeit der Metaphysik als authentisches Wesensdenken.


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