Dr J.D.J. (Jeroen) Buve
(* 1935)
 

Der Errichter und jetziger Direktor des Von Laun-Instituts, Dr. J.D.J. Buve, wird in seinem Denken von der Idee geleitet, dass die Metaphysik nicht neu erfunden werden muss, um mit den ohne Weiteres überzeugenden Ergebnissen der heutigen Wissenschaft konkurrieren zu können. Dafür braucht man nur genau zu untersuchen, wie Metaphysik ursprünglich entstanden ist, und was ihre Urheber veranlasst haben könnte, durchgehend die Absurdität einer zweiten Wirklichkeit als für die Demokratie unmittelbar relevant zu befürworten. Dieser Dualismus, der im Ansatz sowohl im antiken, wie im modernen westlichen philosophischen Denken eine so grosse Rolle spielt (ob als Spieler oder als Gegenspieler), wird in Buves Denken als eine mit der Demokratie original verbundene Gegebenheit betrachtet, der weder von der einen Wahrheit und Wirklichkeit abgeleitet noch darauf zurückgeführt werden kann und darf.

Buve meint, dass die als Bedingung der Demokratie verstandene Verdoppelung der Wirklichkeit immer dann unverzichtbar ist, wenn die Wirkung der Prinzipien der Demokratie in den täglichen Entscheidungsprozesse des gesellschaftlichen und politischen Lebens mit der überwältigende Evidenz der sinnlich erfahrbaren Fakten adäquat konkurrieren soll. Gebannt von der Objektivität, die mit dem sinnlichen Wahrnehmen verbunden ist, haben wir die Neigung die Wirklichkeit der von der Demokratie geforderten Prinzipien als im Vergleich weniger objektiv und folglich als wissenschaftlich minderwertig anzusehen. Dadurch kommen diese Prinzipien zu Unrecht in Verdrückung und können bei sehr vielen wichtigen Entscheidungen ungenügend zur Geltung kommen. Es überwiegt dann der kausal‑physischen Zusammenhang der Dingen und die damit gegebene Manipulierbarkeit, und es fehlt die notwendige Gleichwertigkeit dieser sinnlich erfassbaren Wirklichkeit mit der Wirklichkeit der Prinzipien.

Das führt bei Buve zu der Auffassung, dass wir auf zwei gegenseitig nicht beeinflussbare und einander ausschliessende Wahrheitskriterien angewiesen sind, wenn wir verhindern möchten, dass die Demokratie an der sie ungeschützt unterminierende Rationalität der Wissenschaften und der Technik ausgeliefert wird. Nur in der Entscheidung sind wir in der Lage, die beiden Wirklichkeiten mit einander zu versöhnen. Diese Versöhnung gibt es nur im Prozess selbst des intellektuell ehrlichen Abwägens, nicht im Ergebnis, denn die Doppeltheit der Wirklichkeit ist unaufhebbar: Wenn wir uns entscheiden, entscheiden wir uns notwendig für eine der beiden Wirklichkeiten. Und diese Abwägung kann nur authentisch sein, wenn sie unvorhersagbar ist. Und unvorhersagbar ist sie nur, wenn die beiden Wirklichkeiten absolut gleichwertig sind.

Publikationen:

Macht und Sein. Metaphysik als Kritik oder die Grenzen der Skepsis, Junghans Verlag, Cuxhaven, 1991,

ISBN 3-926848-17-0

und

Metafysisch Manifest. Nieuw zicht op wetenschap, godsdienst en moraal, Damon, Best, 1996,

ISBN 90-5573-361-X

 
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